Die Privatbrauerei war ursprünglich zur Unterstützung des am 30. April 1985 neueröffneten Lübecker Ratskellers gedacht.
Sie hat am 29. August 1988 ihre Geschäfte aufgenommen. Die Brauerei war als eine Schaubrauerei in den Gewölben des Kellers integriert - einen Auszug zeigt das Zertifikat.
Beteiligungen konnte jeder eingehen, aber pro Person maximal zehn Zertifikate zeichnen. Die Dynamik war trotz den hohen
Ausgabepreises enorm, es wurden sofort die ersten einhundert Zertifikate abgesetzt, einige Zeit später
verzeichnete die Brauerei mehr als 300 Beteiligungen. Viele Bürger der Hansestadt sahen die Unterstützung ihres Ratskellers als
vordringliches Motiv, nicht etwa eine klassische Kaptalanlage. Man lese nur einmal die Beteiligungsbedingungen (Auszug):
Darlehensgeber erhält Naturalzinsen, und zwar mindestens 10 Liter (pro Zertifikat) von der GmbH
produziertes, persönlich vom Darlehensgeber zu konsumierendes Bier pro Jahr. Als Basis wird ein Bierpreis von zur Zeit DM 42,--
pro 10 Liter festgesetzt.
Nach 3 Jahren ab heute kann Darlehensgeber die Zahlung von 6 Prozent p.a. in Geld verlangen.
Die Rückzahlung des gewährten Geldbetrages kann erstmals nach 3 Jahren verlangt werden. In jedem Fall hat die
Rückzahlung frühestens 2 Jahre nach deren Geltendmachung zu erfolgen.
Also eine notariell abgesicherte Verpflichtung zum Besäufnis, bei der Rückzahlung eine Witzklausel mit 'frühestens" nach 2 Jahren (nicht: spätestens) -
die Zahlung kann also auch nach 10 oder 20 oder 100 oder 1.000 Jahren erfolgen ...
Die Besonderheit der Beteiligung lag in einer von vornherein gegebenen Verzinsung: Bei Erwerb der Brauereibeteiligung
sind 10 sog. Wechselscheine überreicht worden, ausgewiesen als Deputatzinsen. Die Wechselscheine nannten sich so, weil sie in
ein =,3 Literglas Lübsch-Bier 'gewechselt' werden konnten. Heute Raritäten, da die Wechselscheine in aller Regel
sofort mit Aufnahme der Beteiligung in Naturalien gewechselt wurden - hier die Abbildung aus einer Zufallsbeute.

Die interessante Kellerbrauerei gibt es lange nicht mehr, sie hat nur etwa drei Jahre ihre Selbständigkeit bewahrt und
ist dann an eine Münchner Gesellschaft übertragen worden. Die aber kam vermutlich mit den norddeutschen
Trinkgewohnheiten nicht klar und hat die Produktion eine Zeitlang später eingestellt.
Die Zertifikate sind bei Brauereisammlern bisher weitgehend unbekannt. Ein Exemplar davon zu 'erbeuten' ist nicht ohne
Probleme. Bei einem Hotelier in Süddeutschland (nebenbei: wie kommt der zu den Zertifikaten ? (die er dann nicht mehr aufgefunden hat))
kommt die klare Ansage: Unverkäuflich, nicht einmal für 2.000 Mark das Stück. Nachfrage in Meerbusch bei Düsseldorf:
Habe ich nicht mehr, würd' ich sonst auch nicht hergeben. Nachfrage in Lübeck: Ich hab' die Nr. 13 gehabt,
leider 'gehabt'. Trotzdem sehen Sie oben eine Abbildung - die Geschichte dieser Beschaffung bringt KINGPAPERS.DE
irgendwann einmal, schau mer mal ...