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Der Einfluss des BARoV-Wertpapierbestandes

auf historische deutsche Aktien & Anleihen vor 1900.



26 Millionen Wertpapiere warten auf ihren Eintritt in den Markt. Unmerklich sind erste Bestände aus den Retouren aufgetaucht. Reichsmarkpapiere (konkret: nach 1900 bis Ende des 2.ten Weltkriegs, insbesondere nach 1920) sind in Mengen in den Tresoren. Das weiss man aus den Bekanntmachungen des Bundesamts zur Regelung offener Vermögensfragen (BARoV) und den Benecke-Zählungen Anfang Mai 1999.

Die Betroffenheit des eigenen Sammelgebiets haben nach unserer Kenntnis nur wenige Sammler analysiert. Einige Händler haben nach Beobachtungen BARoV-Bestandspapiere vermehrt abgegeben. Hier folgt nun eine systematische Analyse der historischen Wertpapiere des BARoV-Bestands auf der Grundlage der publizierten Daten, und zwar für die besonders wertvollen Papiere vor 1900.


Risiken und Chancen für den HWP-Markt


Die Angaben des Bundesamts zu den ca. 8.000 Effekten haben die Gesellschaft erfasst, nicht aber das Emissionsjahr. Das ist erstmals nachgeholt worden durch die Benecke-Zählung Anfang Mai 1999, allerdings nicht für alle Papiere, sondern nur für einen Anteil der Buchstaben A-O. Daraus eliminiert sind 111 Wertpapiere, die vor 1900 ausgegeben worden sind.

Besonders interessant sind die nicht katalogisierten und bisher unbekannten Papiere, die nur mit wenigen Exemplaren verzeichnet werden. Zum Beispiel (es gibt noch etliche Papiere mehr):

  • 1 x AG f. Federstahl-Industrie vorm. A. Hirsch & Co., Cassel, 1.000 M, 1886 (uns nicht bekannt)
  • 1 x Amberger Bierbrauerei AG (später: Brauhaus Amberg), Amberg, 1.000 M, 1899 (diese Ausgabe ist uns nicht bekannt)
  • 1 x Eisleber Dampfmühle AG, Eisleben, 1.000 M, 1899 (diese Ausgabe ist uns nicht bekannt)
  • 1 X Fabrik Leipziger Musikwerke vorm. Paul Ehrlich & Co., Leipzig, 1.200 M, 1886 (diese Ausgabe ist uns nicht bekannt)
  • 1 x Internationale Elektrizitäts-Werke und Accumulatorenfabrik AG, Berlin, 1.000 M, 1895 (uns bisher nicht bekannt)
  • 1 x Jute-Spinnerei und Weberei, Bremen, 1.000 M, 1890 (diese Ausgabe ist uns bisher nicht bekannt)
  • 1 x Kreis-Altenaer Schmalspur-Eisenbahn-Gesellschaft, Lit. A, 1.000 M, 1.1.1899 (diese Ausgabe ist uns bisher nicht bekannt)
  • 2 x Malbergbahn AG, Köln, 1.000 RM, 1899 (diese Ausgabe ist uns bisher nicht bekannt)
  • 2 x Nähmaschinen-Fabrik vorm. Frister u. Rossmann, Berlin, 100 Thaler, 1871 (uns bisher nicht bekannt)

Der Markt wird in der Person des jeweiligen Sammlers diese Papiere geradezu aufsaugen. Hohe Preise stehen für mich bereits jetzt fest. Dabei ist davon auszugehen, dass die Beteiligung von Sammlern an den Gebotsverfahren der Versteigerung erfolgt. Alles andere dürfte sich als Enttäuschung erweisen. Aber Sammler haben vorsorglich - mir bekannt - schon Wege gefunden eine Teilnahme zu erreichen, auch wenn nur Händler zugelassen werden.

Schwieriger wird es bei einigen anderen Papieren, die in den Listen geradezu massenhaft auftauchen. Einige Beispiele aus der Vielzahl:

  • 6.000 x Chemische Werke vorm. H.E. Albert, Amönebg. b. Biebrich, 1.000 M, 1895
  • 5.000 x AG Hotel Bellevue zu Dresden, Dresden, 100 Thaler, 1872 (uns ist diese Ausgabe bisher nicht bekannt)
  • 4.500 x Leipziger Malzfabrik in Schkeuditz, Leipzig, 300 M/Th., 1873 (uns bisher nicht bekannt)
  • 2.500 x Eutin-Lübecker-Eisenbahn-Gesellschaft, Eutin, Lit. A., 200 Thaler, 1.7.1872(Katalogwert Suppes/GET je um ~ 270 Euro)
  • 2.400 x Bergbau- und Hütten-AG Friedrichshütte, Arnsberg, 1.000 M, 1896 (Suppes2000: ~ 578 Euro Euro)
  • 2.100 x Berlin-Oberspree Terrain- und Baugesellschaft, Berlin, 1.000 RM, 1899 (Suppes2000: ~ 399 Euro)

Derartige Mengen sind auf dem Sammlermarkt nicht unterzubringen. Erst recht nicht zu vernünftigen Preisen. Auch nicht bei einer Rückhaltung durch den Anbieter - er hat eine zu lange Kapitalbindung bei diesen Mengen. Also kaufen und den absolut grössten Teil verbrennen, mithin künstliche Verknappung ? Scheint nicht unsinnig, macht aber eh keiner.

Bekannt oder unbekannt ?

Benecke hat in seiner Zählaktion ca. 46 Prozent unbekannte HWP's im BARoV-Bestand festgestellt. Bei ca. 23 Prozent ist die Gesellschaft bekannt, nicht aber die Emission, bei ca. 31 Prozent ist das Wertpapier selbst (also Emittent und Emission) konkret bekannt.

Bei den Wertpapieren vor 1900 verschiebt sich diese Zahl nicht unerheblich. Bei den bisher unbekannten Gesellschaften halbiert sich der Wert auf 23 Prozent. Die Zahl der bekannten Wertpapiere erhöht sich auf 54 Prozent, die bekannten Emittenten (bei nicht bekannter konkreter Emission) bleibt bei 23 Prozent. Folge: Je älter desto bekannter.

Statistisch kann man nun rechnen und interpretieren ... Fakt wird sein, dass der Sammler alter Papiere vor 1900 je nach Themen- oder Regionalgebiet mit einem zehnprozentigen Anstieg der von ihm zu beschaffenden Papiere zu rechnen hat, seine Wunschliste wird länger. Durch die z.T. wenigen Exemplare oder sogar Einzelexemplare der neuen Papiere vor 1900 wird die eine und andere Sammlung nun eine schwer ausfüllbare Lücke erhalten.

Für die Sammler von Reichsmark-Wertpapieren wird sich die Quote neu hinzukommender Emittenten und Emissionen durchschnittlich sogar noch steigern.


Peinlichkeiten und Merkwürdiges

Suppes und GET geben für die Norddeutsche Portland-Cement-Fabrik Misburg AG, Misburg 1.000 M 1.2.1899, beide eine Auflage von 600 Stück an. Der BARoV-Bestand listet 1.100 Exemplare auf, fast doppelt so viele wie in den Katalogen erfasst.

Bei der Dürener Dampfstrassenbahn AG, 1.000 M 1896, listet Suppes2000 eine Auflage von 30 Stück - aus dem BARoV kommen jetzt 9 Exemplare und damit fast ein Drittel der Auflage. Unschön für die bisher zu recht stolzen Besitzer dieses Papiers, immerhin katalogisiert mit ~ 1.263 Euro.

Ganz schlecht werden kann dem Betrachter bei der Bremer Pferdebahn, wo von 167 Stück Auflage nun 41 Exemplare auf den Markt kommen. Höchster Auktionsbetrag war immerhin ~ 10.791 Euro. Zur Zeit verzeichnet der Suppes2000 gerade noch ~ 639 Euro.

Bei mehreren Werten kommen mehr als 50 Prozent der Auflage jetzt auf den Markt. Einige der Papiere hat man viele Jahre und teilweise mehr als 10 Jahre nicht mehr auf Auktionen gesehen. Zum Beispiel Baumwollspinnerei Erlangen, 1.000 M 1899, wo jetzt 500 Exemplaren einer Auflage von 800 kommen. Auch 500 von 1.000 Exemplaren kommen bei der AG Glashüttenwerke 'Adlerhütten', Penzig, 1.000 M, 2.12.1896. Und mehr als 50 Prozent bei der Ottweiler Bierbrauerei AG vorm. Carl Simon, 1.000 M 1888. Bei der Clarenberg AG für Kohlen- und Thon-Industrie, Frechen b. Köln, 1.000 M 1899, sind 450 von 600 im Anmarsch, von der Ausgabe 1.000 M 1894 sogar 650 von 800. Die Dessau-Wörlitzer Eisenbahn-Ges. aus Dessau, Lit. B, 1.000 M von 1894, bekommt 720 Stück von 820 Auflage vorgehalten.

Die Liste lässt sich fortsetzen. Überraschend die Lieferung von noch weiteren 2.100 Exemplaren der Berlin-Oberspree Terrain- und Baugesellschaft, 1.000 RM 1899, obwohl GET und Suppes die Auflage mit 2.000 verzeichnen und Exemplare dieses Papiers bekannt sind. Und wenn ich es richtig sehe ist die Haffuferbahn AG, Elbing, 1.000 M 1899, mit Auflage 1.500 angegeben, wovon BARoV allein 1.400 listet.


Katalogwerte: Eine statistische Betrachtung.

Alle bekannten katalogisierten Wertpapiere vor 1900 des gezählten BARoV-Bestandes aufgelistet ergeben einen Katalogwert nach GET von durschnittlich ~ 417 Euro, nach dem Katalog Suppes2000 ist der durchschnittliche Wert bei ~ 467 Euro. Überschlägig betrachtet kein grosser Unterschied. Bei den Einzelwerten allerdings gehen die Katalogangaben z.T. sehr heftig auseinander. Da hat dann einer schon mal das Doppelte des anderen. Und auch mal das Dreifache. Und dann ist es wieder umgekehrt. Das stimmt mich bedenklich.




Fazit: Des einen Freud, des andern Leid ...

Sammler von Wertpapieren Deutschland vor 1900 werden Verluste erleiden bei massenhaft auftauchenden Papieren. Andere in kleinen Auflagen wird der Markt aufnehmen, ohne dass die Werte sich nachhaltig verändern. Gewinne sind zunächst nicht erwarten. Jedes der 'Altpapiere' ist insoweit ein potentieller Verlustbringer.

Doch neue unbekannte Papiere bringen neuen Elan und Lücken in der Geldbörse - was den richtigen Sammler eher zur Freude als zu Tränen führt. Der Markt wird zeigen, ob neue Sammlerkreise eintreten. Dann sind die wenigen Massenpapiere sehr schnell vergessen: Dann rechne ich mit einer Steigerung des Wertes der anderen Aktien und Anleihen vor 1900. Und ganz besonders bei denen, die im BARoV-Bestand nicht enthalten sind und jetzt schon kaum noch im Markt gehandelt werden.

Fazit: Da tut der Sammler was er gerne tut: Hinsetzen und warten.


+++ Alle Angaben ausdrücklich ohne Gewähr. +++

Autor: Andreas Hardt



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